Bevor ich die Geschichte nie abschließe, fasse ich mal lieber den letzten Tag zusammen.
Nach einer kurzen Nacht standen wir auf und genossen ein nettes Frühstück, welches von der Frau des Gastwirtes richtig niedlich auf Holzbrettchen serviert worden war. Einigermaßen bei Zeiten kamen wir dann auch los und auch die Sonnencreme kam zum Einsatz, die ich drei Tage am Rad spazieren gefahren hatte.
Nach ca. 25km, die wir der Grenze gefolgt waren, wurde klar, dass wir es noch nicht mal bis Fulda schaffen würden. Der Weg wellte und buckelte. Wir beschlossen, den direkten Weg nach Kassel über Friedland zu nehmen, um irgendwie noch bei Zeiten nach hause zu kommen.
Zeit für ein bisschen Quatsch war aber immer.
Es gab auch eine niedliche rote Gatze zu streicheln. Rainer versuchte das Schnurren zu imitieren. Leider gibt es noch keine Bilder mit Geräuschen, aber ich denke, dass das nächste Bild die Geräuschkulisse vermitteln kann:
Die letzten Kilometer waren völlig ereignislos. Wir sind im Strom der Touris den Flüssen gen Kassel gefolgt. (Werra und Fulda) Herausragend: Wir durften den wirklich überaus charmanten Bahnhof von Kassel sehen. (Dieser gehört wohl zu den 100 Plätzen Deutschlands, die man definitiv nicht gesehen haben muss.) Wir orakelten ein wenig bei der Bedienung des Fahrkartenautomaten, aber dank Kreditkarte spuckte dieser ein Ticket für uns bis nach Würzburg aus.
5h sollte das bis nach Würzburg dauern… Regionalzüge sind fein.
Wir hatten eine Stunde Aufenthalt in Schlüchtern. Leider hatte ich mein Kommen für den Sonntag schon angekündigt, ansonsten hätte ich mich dort Schlafen gelegt und wäre über den Eselsweg am nächsten Tag nach hause geradelt.
So gegen 21.00 Uhr bin ich dann endlich daheim wieder aufgeschlagen. Rainer hatte Glück, der Zug von Schlüchtern fuhr bis nach Schweinfurt durch. Ich hatte noch Aufenthalt in Würzburg, ich genoss es auf dem Bahnhofsvorplatz zu sitzen und ein Bier zu schlürfen.
Im Zug von Würzburg nach Lauda stand Pepe in einem offiziellen Fahrradständer. Die Felgenflanke vorne war mittlerweile so dünn, dass sich das Rad an dem Stückchen Metall verbogen hatte. Vielleicht war es doch gut, dass ich nicht doch noch den Eselsweg gefahren bin.
Das war es und rückblickend betrachtet war es wirklich toll. Die Menschen im Norden, die man vorsichtig formuliert eher als zurückhaltend beschreiben würde, waren alle sehr nett. Die Freundlichkeit, die uns entgegen schlug, war einfach unglaublich.
Die Strecke ist wie ein Stück Wildnis mitten in Deutschland. Niemandsland, aufregend, abwechslungsreich und wunderschön. Die Fahrerei ist mir ziemlich leicht gefallen auch wenn ich nun noch mit zwei Folgen herumlaboriere: Beim Schieben oder Fahren habe ich mir einen Nerv geklemmt, die beiden kleinen Finger an beiden Hände sind taub und prickeln. An der linken Hand fehlt die Kraft in den Fingern. Nach drei Wochen ist das Problem an der rechten Hand fast völlig verschwunden, für die linke Hand braucht es ein wenig Geduld.
Die zweite Folge ist eine Borrelieninfektion, die mir eine Zecke am letzten Tag verpasst hast. Momentan schlucke ich ein Antibiotikum dagegen. Die Infektion hat sich durch eine Wanderröte um die Bissstelle gezeigt. Diese ist inzwischen verschwunden.
Dennoch: ich glaube, ich will mir das Ganze noch mal antun. Ich will es schaffen und zumindest den fehlenden Teil abfahren. Es war einfach großartig.
Grüße
W.
ah, danke, jetzt kann ich auch wieder ruhig schlafen, nachdem ich weiß, wie die geschichte ausgegangen ist.
gute besserung!
und noch was: das gatzenschnurrimitationsbild ist ja ultraklasse. ich hab‘ mich schlapp gelacht!